Thomas Steyer
Die Motive meiner Bilder entstehen aus dem Leben selbst, wie es agiert und reagiert, spontan und aus eigener Kraft.
Zum einen möchte ich dem Betrachter meiner Bilder Gefühle einer uneingeschränkten Freiheit vermitteln und dass es sich lohnt, ungeahnte Möglichkeiten zu erforschen und mit ihnen zu experimentieren. Zum anderen möchte ich belegen, dass vorwiegend gezügelte Kräfte und Energien die wirklichen Spannungen erzeugen.
Vor dem Malprozess entscheide ich über eine Farbpalette und mische drei oder vier Töne in Acryl an. Dann ergebe ich mich dem Moment und trage die Farbe mit impulsiver Pinselführung auf die Leinwand, während unbewusste Einflüsse den Vorgang beherrschen und die Richtung bestimmen. Daraufhin betrachte ich die Arbeit aus der Distanz und überlege mir den nächsten Schritt, um mit minimalen Veränderungen die beste Wirkung zu erzielen. Beispielsweise kann ein scheinbar inkompatibler Farbton für positive Überraschungen sorgen, wenn ich ihn strategisch und dosiert einsetze oder eine andere Farbe damit lasiere. Ich erwarte das Unerwartete und bearbeite es, bis etwas entsteht, das mich fasziniert - das ich abstrakte Kunst nenne.

Zu meinen wichtigsten Vorbildern zählt derzeit die Malerin Joan Mitchell. Eine meiner stärksten Bestrebungen ist es, ihr künstlerisches Niveau zu erreichen und etwas davon fortzusetzen, was sie tragischerweise nicht mehr weiterführen konnte.